Der Fotograf und Filmemacher Luigi Toscano ist ein Spätberufener mit bewegter Vergangenheit. Als Dachdecker, Türsteher und Fensterputzer erlebte der Sohn italienischer Gastarbeiter seine Umwelt aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Dass sich daraus eine künstlerische Laufbahn entwickelt ist ungewöhnlich. Für Luigi Toscano aber war es eine Notwendigkeit, denn die vielen Visionen und Geschichten in seinem Kopf müssen geteilt und erzählt werden. Mit der Fotografie kann Toscano seine Sicht der Dinge festzuhalten und auf ein Medium bannen. So wird er zu seinem eigenen Lehrer und bringt sich die technischen und handwerklichen Fertigkeiten eines Fotografen einfach selbst bei.

In seinen frühen Arbeiten konzentriert sich der Autodidakt überwiegend auf die Betrachtung und Darstellung unbewegter Szenen und Objekte. Mit wachsendem Selbstvertrauen aber wird der Mensch zum Mittelpunkt seiner Bilder. Luigi Toscano lässt sich dabei von Respekt und Demut leiten– zwei altmodisch klingende Tugenden, die ihn als Mensch bereits lange begleiten.
 
Luigi Toscano begibt sich aus dem klassischen Ausstellungsraum in den öffentlichen Raum, um ein breiteres und auch zufälliges Publikum für dieses brisante Thema zu finden. So wird die Fassade der Alten Feuerwache zum Spiegelbild der Menschen, die in Mannheim Asyl beantragt haben und sich derzeit in einer Asylbewerber-Unterkunft im Mannheimer Norden befinden. Die Gesichter sollen das Thema Asyl in die Mitte der Stadt rücken, sollen berühren und auffallen und auch für zufällige Passanten sichtbar werden.